Beanblossom macht Kommunikationskritik

Als Berater, Agenturmensch und Dienstleister bin ich – sind vermutlich auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, – Auftragsempfänger. Wir produzieren weder zum Selbstzweck noch für künstlerische Anerkennung, sondern für Kundenerfolg, Kundenzufriedenheit und Kundenfranken. [Read more...]

Die Strategische Markenführung macht die Frau vom Chef

Gemäss der Studie „Markenführung“ von Prophet und GfM liegt die Verantwortung für die Strategische Markenführung zu 29 Prozent beim Verwaltungsrat und zu 74 Prozent bei der Geschäftsleitung.

Wer nun weiss, wie diese Gremien ticken und wieviele Traktanden in einer vierstündigen VR- oder GL-Sitzung behandelt werden müssen, kennt die Mechanismen, welche dann der Entscheidungsfindung zugrunde liegen, zumal Verkauf, Produktion und Personalprobleme meist als brennender eingeschätzt werden, als die Markenführung.

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Häufig erhalten dann die Entscheidungsträger – VR oder Geschäftsleitung – die nötigen Unterlagen einige Tage vor der Sitzung. Anschliessend ist häufig das Phänomen zu beobachten, dass die Herren (in den allermeisten Fällen sind es Herren) die Entwürfe für die neue Kampagne, das Erscheinungsbild oder Logo zuhause der besten Ehefrau von allen vorlegen, um ihre Stellungnahme einzuholen. Ihre modische Kompetenz und geschulter Geschmack ist über jeden Zweifel erhaben, nachdem sie über 20 Jahre lang erfolgreich die passenden Krawatten und Socken zum Businessanzug ausgewählt hat.

Nun ist es zwar das gute Recht jeden Auftraggebers auch seine Frau um ihre Meinung zu fragen. Häufig fehlt dann jedoch die nötige Begleitinformation, was denn mit der Massnahme überhaupt bezweckt wird, welche Werte vermittelt oder Einstellungen verändert werden sollen. Das führt dann manchmal zu leicht irrationalen Diskussionen über Bilder oder grafische Anmutung („Nein, blond gefällt mir besser.“ Oder „Ich finde, der Mann sollte frontal in die Kamera schauen“.). Auch der Sitzungsleiter steht in der Pflicht. Entweder muss er den Dossiers das nötige Gewicht einräumen und die nötige Moderationsarbeit verrichten. Oder dann liegt es an ihm, die  Kommunikationschefin oder die Agentur einzuladen, damit diese das Projekt vortragen und nötigenfalls verteidigen können.

Markenführung ist eine sehr abstrakte Angelegenheit, die viele Verwaltungsräte und Manager überfordert, weil das Thema vertiefter Auseinandersetzung bedarf. In der Praxis besteht zwar oftmals eine Markenplattform oder ein Markensteuerrad, welche einen Parameter für die Beurteilung von Lösungen oder Umsetzungen abgeben. Sind jedoch die Instrumente nicht griffig angelegt oder zirkulieren sie ohne „Gebrauchsanleitung“, messen sich die Lösungen häufig am Kriterium „gefällt“ oder eben auch „gefällt nicht“.